Der Fuchs und die Kröte
Einmal wurde der Fuchs von Hunden verfolgt und er floh ins Gebüsch. Dort sass die Kröte. Der Fuchs sagte zu ihr: «Ich bin wirklich der Schnellste weit und breit. Gerade bin ich den Hunden entkommen. Stell dir vor, sie würden dich verfolgen. Du könntest gar nicht fliehen, so langsam, wie du bist.»
Die Kröte antwortete: «Man sollte sich nicht zu sehr selbst loben. Wer weiss, vielleicht bin ich sogar schneller als du. Soll ich mit dir um die Wette laufen?»
Der Fuchs lachte und sagte: «Du hüpfst doch immer nur auf der Stelle. Nein, ich müsste mich ja schämen, wenn ich mit dir um die Wette laufe. Du kannst nicht einmal rennen, und ausserdem ist dein Quaken auch nicht sonderlich beeindruckend, wenn du ‹Huac, Huac› rufst.»
«Deine Stimme klingt auch nicht sehr schön, wenn du über die Wiesen rennst und ‹Car, Car!› bellst. Nimmst du nun die Herausforderung an?»
«Also gut», antwortete der Fuchs. «Morgen früh an dieser Stelle.»
Am nächsten Tag trafen sich die beiden wieder. Als der Wettlauf begann, rannte der Fuchs blitzschnell durch das Gras. Doch auf einmal hörte er vor sich ein Quaken: «Huac!»
«Die Kröte hat mich überholt», dachte er und rannte noch schneller.
Doch schon bald hörte er erneut ein Quaken: «Huac!»
«Die Kröte ist wirklich vor mir», dachte der Fuchs und rannte keuchend den Hügel hinauf. Aber als er das Ziel erreichte, hörte er wieder ein Quaken: «Huac! Huac!»
Erschöpft schaute er sich um und sah die Kröte gemütlich im Ziel sitzen.
«Du hast gewonnen», gab der Fuchs zu, «aber nur, weil es so steil bergauf ging und sich meine Beine im Gras verfangen haben. Sonst wäre ich viel schneller gewesen.»
Von diesem Tag an aber lachte der Fuchs nicht mehr über die Kröte.
Doch wie konnte die Kröte schneller sein als der Fuchs? Ihre Freunde hatten sich unterwegs im Gras versteckt und ‹Huac!› gerufen.
Seither sagt man: «Selbst der schlaueste Fuchs kann überlistet werden».
Fassung Djamila Jaenike, nach: Adolfo Vienrich, Tarmapap Pachahuarainin. Apólogos Quechuas, Tarma: Tipografía «La Aurora de Tarma», Tarma 1906, unter dem Titel: Atokhuan rachac / El zorro y el sapo.© Mutabor Verlag
Peru liegt im Westen Südamerikas am Pazifik und umfasst die Küstenregion, das Hochland der Anden und das Amazonasgebiet. Neben Spanisch werden Quechua, Aymara und zahlreiche weitere indigene Sprachen gesprochen. Grosse soziale Unterschiede, Armut, politische Instabilität und zunehmende Kriminalität belasten das Land. Peru hat viele Menschen aus Venezuela aufgenommen; gleichzeitig verlassen zunehmend auch Peruanerinnen und Peruaner ihre Heimat auf der Suche nach Sicherheit und besseren Lebensbedingungen.