Mutabor Märchenstiftung

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Die Höhle der Dialas bei Müstair

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Val Müstair
Kategorie: Sage

 

Zwischen der Aua da Pisch und dem Truoi da la Raisch befindet sich unmittelbar oberhalb der Wiese eine kleine Öffnung im Felsen. Sie wird „Fora da las Dialas“ genannt. Durch diese Öffnung gelangt man ins Innere des Felsens in eine Höhle.

In alter Zeit wohnten dort Frauen, die Dialas genannt wurden. Bei den Leuten von Müstair waren sie sehr beliebt. Oft verrichteten sie nachts Arbeiten für die Bauern in der Umgebung des Dorfes. Immer wieder konnte man sie auch auf einem Felsen vor dem Eingang ihrer Höhle sehen. Sie besassen einen schönen kleinen weissen Hund.

Zur Erntezeit schickten die Dialas den Hund mit einem kleinen Korb zu den Bauern auf die Wiesen. Darin waren Früchte und Brot sowie jedes Mal ein Messer und eine Gabel. Der Hund brachte diese Zwischenmahlzeit bald diesem, bald jenem Bauern. Messer und Gabel legten die Leute jeweils wieder in den Korb.

Eines Tages wollte sich ein Bauer einen Spass erlauben und behielt die Gabel. Als der kleine Hund in die Höhle zurückkehrte, kamen die Dialas auf den Felsen heraus und erhoben ein grosses Geschrei. Erst nach längerer Zeit gingen sie wieder in ihre Höhle.

Von da an liessen sie sich in unserem Tal nie wieder sehen.

Quelle: „La Fora da las Dialas a Müstair“, in: La Quotidiana, 29. Dezember 2000, S. 3, Rubrik „Or dal Dicziunari Rumantsch Grischun: Las Foras da las Dialas“.
Übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung.