Die Dialas von Clemgia
An der Stelle, wo heute das grosse Hotel Waldhaus in Vulpera steht, stand früher das kleine Haus eines Bauern. Dort kamen die Frauen des Ortes abends in ihrer Spinnstube zusammen.
Jeden Abend zur gleichen Stunde erschienen auch zwei Dialas aus den Höhlen der Clemgia. Sie brachten ihre Spinnräder mit und spannen fleissig, ohne ein einziges Wort zu sprechen.
Zur bestimmten Stunde übergaben sie der Hausherrin das gesponnene Garn, nahmen ihre Spinnräder und gingen wieder ihres Weges.
Eines Abends kam auch ein ungezogener junger Mann in die Spinnstube und erlaubte sich mit einer der Dialas einen üblen Scherz. Da sprangen die Dialas auf, gaben ihm eine wohlverdiente Ohrfeige, nahmen ihre Spinnräder und gingen fort.
Sie kehrten niemals wieder.
Die Ohrfeige hinterliess im Gesicht des jungen Mannes ein Mal, das nie mehr verschwand.
Quelle: „Las dialas da Clemgia“, in: Caspar Decurtins (Hg.), Rätoromanische Chrestomathie, Bd. XI: Bergellisch, Unterengadinisch.
Übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung.