Mutabor Märchenstiftung

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Die Linden auf dem Hirzel

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Region: Hirzel
Kategorie: Sage

Schon früher war es so, dass wer viel Land besass, auch reich werden konnte. Land aber war am Hirzel knapp. Darüber schimpften auch einmal zwei Bauern. „Hätte ich so viel Land wie manch anderer, wäre ich auch reich!“

„Ja“, stimmte ihm der andere zu, „aber was soll man tun?“

„Da kann nur der Teufel helfen“, meinte der erste Bauer wieder.

Kaum gesagt, kam ihnen ein kleiner schwarzer Teufel entgegen.

„Ihr habt mich gerufen. Wie kann ich euch helfen?“

Die Bauern erschraken, doch schliesslich sagte der eine: „Wir bräuchten mehr Land, aber woher soll man das nehmen? Da kann selbst der grösste Teufel nicht helfen.“
Darüber war der kleine Teufel beleidigt und sagte: „Wartet nur, ihr werdet schon sehen!“, und verschwand.

In der Hölle rief er seine Brüder zu sich und sagte: „Drückt die Erde nach oben!“

So machten sie es und schon entstanden beim Hirzel kleine Hügel. Die beiden Bauern freuten sich über dieses neue Stück Land und nahmen es gleich in Besitz.

Die Teufel aber stiessen die Erde immer weiter in die Höhe und bald wurde das Land so steil, dass es kaum noch zu bearbeiten war.

„Teufel, hör auf!“, riefen sie. Aber der Teufel dachte nicht daran.

Da gingen die beiden Bauern zum Pfarrer, erzählten ihm die ganze Sache und baten um Hilfe.
Der Pfarrer sagte: „Ihr habt den Teufel gerufen, dann müsst ihr ihn auch selbst wieder loswerden!“
Doch die beiden Männer baten so sehr um Rat, dass der Pfarrer Mitleid bekam und schliesslich riet: „Pflanzt auf jeden Hügel eine Linde. Das ist ein heiliger Baum und selbst ein Teufel kommt nicht gegen ihn an.“

So machten es die beiden Bauern und da mussten sich die Teufel geschlagen geben. Seither wollte auf dem Hirzel niemand mehr etwas mit dem Teufel zu tun haben. Die Linden aber stehen dort noch heute.

Fassung D. Jaenike, nach: B. Steiner, Zürcher Baumgeschichten, Frauenfeld 1989 und weiteren Quellen. © Mutabor Verlag