Mutabor Märchenstiftung

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Das Wallis ein See

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Ausserberg
Kategorie: Sage

Bei St-Maurice schlossen vormals die Berge das Wallis hoch hinauf vollständig ab und versperrten dem Rotten jeglichen Durchgang. Das ganze Land bis nach Lax bildete daher einen einzigen gewaltigen See. Schon zu dieser Zeit war aber das Wallis bewohnt, und die Ansiedler fuhren mit Schiffen und Kähnen von Ufer zu Ufer. Noch heute weiss man manchen Ort zu nennen, wo starke Eisenringe in die Felsen eingelassen waren, um die Schiffe festzubinden, so unter Nax, oberhalb Brämis, bei St-Maurice-de-Lacques, bei Albenried im Hochberg, im Fintschuggen zwischen Visp und Eyholz, am Ebiberg bei Stalden, in den Triesten, in der Schratt und unter Hegdorn bei Naters und in der Tun- netschfluh bei Mörel. In Ausserberg heisst noch jetzt ein Ort Fischerbiel. Hier sollen Fischer gewohnt haben, als das Wallis noch ein See war, und sie hatten das Recht, nach dem gegenüberliegenden Albenried zu fahren und dort zu fischen. Gewaltige Naturereignisse sprengten dann mit der Zeit den starken Damm bei St-Maurice und verschafften dem einstigen See den nötigen Abfluss.

Frühere schriftliche Quelle: Walliser Sagen, Historischer Verein von Oberwallis, Band 1 (1907), Nr. i, S. i (Fr. Lagger, nach Ruppen, 1872, Nr. 1, S. 106: Das veränderte Klima im Wallis.) - Ruppen erwähnt alle ihm bekannten entsprechenden Sagen und verwirft die Auffassung, das Wallis sei einmal ein See gewesen. Dagegen habe sich das Klima tatsächlich verschlechtert.

Aus: Josef Guntern, Volkserzählungen aus dem Oberwallis. Sagen, Legenden, Märchen, Anekdoten aus dem deutschsprechenden Wallis. Basel 1978. © Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung. www.maerchenstiftung.ch