Der Genfeersee
Wo heute der Genfersee liegt, blühten früher die schönsten Matten. Dagegen füllte ein See von Martinach aufwärts das Wallis. An manchen Orten will man noch die Ringe sehen, wo die Fischer ihre Schiffe anbanden.
Die übermütigen Besitzer der Matten im heutigen Genfersee zwangen alle Reisenden, auf ihren Matten von einem Ende bis zum andern eine Mahde zu mähen.
Eines Tages kam auch der Herrgott und wollte vorbeigehen. Auch ihn wollte man zwingen. Er aber sagte dann: «Hier soll keiner mehr mähen!» Auf seinen Befehl durchbrach das Wasser in Martinach den Felsen und überschwemmte die Matten bis nach Genf hinunter.
Erzählt von: Johann Siegen, 76, Kippel.
Aus: Josef Guntern, Volkserzählungen aus dem Oberwallis. Sagen, Legenden, Märchen, Anekdoten aus dem deutschsprechenden Wallis. Basel 1978. © Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung. www.maerchenstiftung.ch