Mutabor Märchenstiftung

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Die Kapelle der hl. Petronilla

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Fiesch
Kategorie: Sage

Ein besonders lebhafter Verkehr bestand in alten Zeiten zwischen Fiesch und Grindelwald über den Fiescherjochpass. Im Titer im Fieschertal, wo der Weg hindurchführte, und ebenso am Mettenberg oberhalb Grindelwald befanden sich Kapellen, die der hl. Petronilla geweiht waren. In beiden Kapellen hingen Glöcklein vom gleichen Guss und selbem Ton; ihr wunderbarer Klang gleitete den verirrten Wanderer durch Nacht und Ungewittter ans ersehnte Ziel. Die Walliser zogen öfters über den Berg, um zum Kirchlein der hl. Petronilla am Mettenberge zu wallfahrten, indessen die Grindelwaldner in den warmen Schwefelbädern zu Fiesch Genesung ihrer leiblichen Gebresten suchten. Zur Zeit der Reformation begaben sich recht oft Walliser, die der neuen Lehre zugeneigt waren, über die Gletscher nach Grindelwald, um sich dort trauen und ihre Kinder taufen zu lassen. Leute von Grindelwald hingegen, die dem alten Glauben treu geblieben, kamen zahlreich ins Wallis herüber, um hier die Pflichten ihrer Religion auszuüben. In spätern Jahren aber begann der Gletscher gewaltig anzuwachsen und zerstörte den alten Weg samt den beiden Kapellen. Ungefähr zur selben Zeit wurden auch die Bäder von Fiesch unter dem Schutte eines Bergsturzes begraben.

Frühere schriftliche Quelle: Walliser Sagen, Historischer Verein von Oberwallis, Band 1 (1907), Nr. 2, S. 2.

Frühere schriftliche Quelle: Vgl. dazu G. Kamlah, Aus den Gomserbergen, in Jahrbuch des SAG 20 (1884/85) S. 165: Bauern aus Blitzingen und Niederwald erzählen von einem Pfad, der über die Schratalp zum Grat und dann hinab auf den Fieschergletscher geführt habe. Von dort sei man nach Grindelwald gelangt. Spuren eines Weges seien oberhalb des Gletschers noch sichtbar, auch habe man dort Hufeisen gefunden.

Aus: Josef Guntern, Volkserzählungen aus dem Oberwallis. Sagen, Legenden, Märchen, Anekdoten aus dem deutschsprechenden Wallis. Basel 1978. © Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung. www.maerchenstiftung.ch