Der Antronapass
Hannibal ist mit seinem Kriegsheere, um die Römer sicherer zu täuschen und um von den Alpen aus auf kürzestem Wege ins Herz von Italien einzubrechen, im Jahre 218 v. Chr., von den ihm freundlichen Galliern über die Beschaffenheit der Alpenpässe wohl unterrichtet, das Rhonetal hinaufgeschlichen, ins Vispertal hineingelenkt und durch Saas über den Berg Antrona gezogen. Auf der Höhe des Bergpasses, beim überraschenden Anblicke der lockenden Ebenen der heutigen Lombardei, wies er mit einem Fingerzeig auf Roms Gegend hin und entflammte den Mut seiner Krieger zur Ausdauer. Die einzige beträchtlich schwierige Stelle auf dem ganzen Bergmarsche bezwang Hannibal, indem er mit Feuer und Essig einen abschüssigen Felsen am Berggipfel etwa 60 bis 80 Schritt weit durchschnitt und seinem Heere zur gangbaren Strasse eignete, deren Spuren noch heute jeder Durchreisende selbst bewundern mag.
Frühere schriftliche Quelle: Ruppen, Chronik des Thales Saas, 1851, S. 9, Anm. 5.
Aus: Josef Guntern, Volkserzählungen aus dem Oberwallis. Sagen, Legenden, Märchen, Anekdoten aus dem deutschsprechenden Wallis. Basel 1978. © Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung. www.maerchenstiftung.ch