Mutabor Märchenstiftung

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Das isländische Moos

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Lötschen
Kategorie: Sage

Häufig kommt in der hiesigen Alpengegend das Isländische Moos (Cetraria islandica) vor, ein flechtenartiges, bitteres Gewächs, das immer ganz verdorrt aussieht. Von ihm erzählt hier die Sage, dass die Röhrlein dieses Krautes ehemals voll Milch gewesen seien. Solange die Kühe hiervon zu fressen erhielten, mussten die Älpler und Älplerinnen während des Tages dreimal melken.

Als nun einst die Alpleute einen lustigen Tag hatten, fluchte ein Älpler, der des Melkens wegen nur ungern die fröhliche Gesellschaft verliess, diesem guten saftigen Kräutlein und sagte: «Ich wollte, es würde verdorren, dies blöde Gras!»

Und des andern Morgens sah man dasselbe wirklich verdorrt. Die Hirten und Älplerinnen gafften einander nur stöhnend und jammernd an und sagten: «Der Dreck ist dürr!» Und es blieb dürr bis zum heutigen Tag.

Quellenangabe: Blötzer, Lötschen, 1964, S. 142.

Aus: Josef Guntern, Volkserzählungen aus dem Oberwallis. Sagen, Legenden, Märchen, Anekdoten aus dem deutschsprechenden Wallis. Basel 1978. © Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung. www.maerchenstiftung.ch