Mutabor Märchenstiftung

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Ds verlooru Tal

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Ems
Kategorie: Sage

Ganz früher glaubten alle Hirten und Sennerinnen vom Genfersee bis zum Monte Rosa, hinter dem höchsten Berg, dem Monte Rosa, liege noch ein unbewohntes Tal. «Ds ver- looru Tal». Und als ich vor vielen Jahren injännigen noch das Vieh hütete, und als das alte Treyer-Josy hineinkam, da erzählte es uns auch, wo das verlorene Tal sei. Es sagte ihm «Ds Chrämerlital». «Da hinnunab, hinner dum Wiishooru, da is!» (Da hinunter, da hinter dem Weisshorn, das ist es!)

Das sei ein Tal, wo noch niemand drin gewesen sei. Ein Jäger habe einmal hinabgeschaut. Unten sei ein Fluss, die Gemsen seien so zahm, dass sie den Menschen die Hand ablecken. Jeder Mensch, der nicht mehr wisse wo aus und wo ein, der könne dahin flüchten. An den Bäumen auf beiden Seiten des Flusses wachsen Äpfel. In Zermatt in der Vispe habe man einmal Äpfel gesehen, die aus dem Krämerlital geschwemmt worden seien.

Erzählt von: Karl Biffiger, 60, Bern.

Erläuterung: Als Krämertal wurde in früheren Jahrhunderten das Tal von Gressoney bezeichnet, weil seine Bewohner als wandernde Kaufleute in die Eidgenossenschaft und weit nach Süddeutschland auszogen.

Aus: Josef Guntern, Volkserzählungen aus dem Oberwallis. Sagen, Legenden, Märchen, Anekdoten aus dem deutschsprechenden Wallis. Basel 1978. © Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung. www.maerchenstiftung.ch