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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Wie die Christrose entstand

Land: Deutschland
Kategorie: Mythe/ätiologisches Märchen

Mitten in der Heiligen Nacht, als der Engel den Hirten erschienen war, machten diese sich auf den Weg, um das göttliche Kind zu suchen. Jeder nahm ein Geschenk mit. Der eine Butter und Honig, ein anderer einen Krug mit Milch, Wolle vom Schaf und ein warmes Lammfell. Der jüngste Hirtenbub aber hatte nichts gefunden, das er hätte schenken können. Nun sass er da, wo der lichte Engel vorher gestanden hatte und seine Tränen fielen auf den Schnee, auf die gefrorene Erde, und da, wo sie hinfielen, wuchsen auf einmal seltsame Blumen empor, die der Hirtenjunge noch nie gesehen hatte.

Die zarten, weissen Blütenblätter schimmerten wie das Gewand des Engels und in der Mitte leuchtete ein goldener Kranz wie eine Krone. Voller Freude pflückte der Knabe ein paar von den Blumen, brachte sie freudestrahlend zum göttlichen Kind und legte sie ihm zu Füssen.

Seitdem blüht diese Blume jedes Jahr in der Weihnacht, und die Menschen nennen sie «Christrose».

Aus: Blumenmärchen aus aller Welt, Mutabor Verlag