Das Totenvolk in der Alpe Novai
Wenn Jemand im Herbste in der Alpe Novai, nachdem das Vieh von der Alpe heimwärts gezogen, in gewissen Nächten übernachte, so sehe er einen Mann aus dem Käsekeller der Alphütte heraufkommen mit Sennenlederkappe und aufgestülpten Hemdärmeln. Der Mann zündet dann Feuer auf dem Herde an, und schaue »grausam laid« drein, bis es zwölf Uhr schlage, dann beginne es draussen vor der Hütte sich zu regen und zu versammeln, das sei das Totenvolk; das singe dann dem Sennen ein Lied nach, das wie ein Psalm töne, und ziehe in langer Reihe langsam und singend talab. In eines der Dörfer, einen »Neuen« (Todesgeweihten) zu holen vor Tagesanbruch, wo Aller wieder zerstiebe.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.