Der Geist am Crap Sasslatsch
Der Bach Sagliaints bildet die Grenzmarche zwischen Lavin und Süss. Die Volkssage erzählt: Es sei einst diese Grenzmarche zum Vorteil der Laviner dadurch bis zum Felsenvorsprunge Crap Sasslatsch vorgeschoben worden, dass ein Mann den in Sagliaints ausgegrabenen Grenzstein dorthin versetzt und hierauf ein richterliches Erkenntnis das streitige Gebiet den Lavinern zugesprochen habe. Einige Zeit nachher sei dieser Mann gestorben und habe am Crap Sasslatsch als Geist umgehen müssen, wobei er beständig gerufen: »Wo soll ich ihn hinsetzen?« Das habe so viele Jahre lang gedauert, bis dass ein Vorübergehender dem Gespenste erwiderte: »Setzt ihn in Gottes Namen wieder hin, wo du ihn hergeholt hast.« Da habe der Geist sich bedankt, den Stein an die alte Stelle gesetzt, und auf dieses Zeugnis sei die alte Grenze wieder hergestellt worden.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.