Die verhexte Dame
Ein Bursche von Klosters ging eines Morgens vor Tag in die Alp; da traf er unterwegs, auf dem Pardenner-Bödeli hinter Klosters, einen an einer Tanne angebundenen Fuchs, den er von seiner Haft befreite. - Nach Jahr und Tag ging dieser Bursche in niederländische Militärdienste. - Eines Morgens wurde er in der grossen Stadt, in der er diente, in ein Haus berufen, wo man ihn in ein prachtvolles reich möbliertes Zimmer führte und sehr gut bewirtete. Das Alles geschah auf Geheiss einer hochgestellten Dame, die sich mit ihm freundlich unterhielt und ihn fragte, ob er Sie nicht kenne. Als er solches verneinte, fragte sie ihn weiter, ob er denn jenes Fuchses auf dem Pardenner-Boden sich nicht mehr erinnere. Der sei sie gewesen. Der böse Geist habe sie nämlich zu guter Letzt wegen Verspätung zum Hexentanze angebunden, um sie zu peitschen. So sei sie dann aber durch ihn (den Burschen) der Haft entlassen worden und der Strafe entgangen.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.