Der getreue Hirte
An der vordern Felsenwand am bekannten »Flimser-Steine« läuft, oberhalb der Schlossruine Belmont, ein fast blutroter Streifen eines mit Eisen-Oxid gefärbten Kalktuffs herab. Die Sage erzählt: Als Rudolf, der mächtige Graf von Montfort, Mitte des 14. Jahrhunderts in\'s Land fiel, um die Besitzungen der Freiherren von Belmont, im Oberlande, zu erobern, stand ein Hirte auf der Kante des Flimser-Steines und sah den Feind kommen. Da blies er in sein Horn, um den Schlossherrn und die Talleute zu warnen, laut und immer lauter, bis er bemerkte, dass die Mannen der bedrohten Burg Belmont sein Zeichen bemerkt hatten, sich wahrten und die Thore schlossen. - Aber die gewaltige Anstrengung hatte ihm die Blutgefässe der Brust zersprengt; blutend und sterbend sank er zusammen, und die Blutstreifen blieben zum Zeichen seiner Treue an der Felsenwand zurück.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.