Der Mord in der Schierser-Alpe
Der Senn erschlug den Hirtenknab',
Er warf ihn über die Fluh hinab,
In\'s tiefe Tobel, in die Schlucht,
Wo Niemand den armen Knaben sucht;
Nur Raben umkrächzen die schreckliche Gruft,
Nur Raben kreisen in hoher Luft. –
Es flossen die Tage, die Jahre hin,
Der arme Knabe vergessen schien. –
Da zogen einst die Bauern zu Hauf
Zum »Mess« in die Alpe hinauf;
Sie sassen beim Imbiss, im Sonnenschein,
Da fiel hernieder ein Totenbein,
Die Raben brachten's aus tiefer Gruft,
Die Raben krächzten in hoher Luft.
Herumgeboten wird im Kreis
Das Bein: dem Sennen perlt der Schweiss,
Als er\'s berührt; denn Blut entfliesst
Dem Bein, wie's seine Hand umschliesst.
Und was er einst verübt allein,
Was er gesponnen hielt so fein,
Gestand er jetzt im Sonnenschein. –
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.