Der Schlangenbanner
In der Alpe Schlapin sollte einmal ein Schlangenbanner Schlangen bannen, nachdem man ihm gesagt hatte, es gebe keine weissen Schlangen dort. - Schon hatte er eine Masse Schlangen zum Gehorsam gezwungen, die ihm Berg auf zu einer Höhle folgen mussten, wo er sie einsperren wollte. - Da kam die Königin, eine milchweisse, riesige Otter, mit dem goldenen Krönlein auf dem Kopfe, mit zornfunkelnden Augen, von zwei andern Schlangen, Kupferottern, getragen. Der Schlangenbanner schrie, als er diese bemerkte: »Nun bin ich verloren!« Auf ein Zeichen der Königin fielen alle Schlangen über ihn her und schleissten das Fleisch von seinen Knochen. - In derselben Alpe sog eine Schlange einen ganzen Sommer hindurch eine Kuh. Diese Kuh ging zur Melkzeit zu einem grossen Steine hin, unter dem die Schlange hervorkroch und ihr die Milch aussog. Die Schlange wurde endlich im Herbste erlegt, und war so dick und rund wie »Tschutt«.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.