Die Schlüsselfrau im Schlosse zu Mayenfeld
In den Überresten des alten Schlosses zu Mayenfeld, das ehemals Eigentum der Freiherren von Brandis war, hält sich der Sage nach eine alte Burgfrau auf. Jeden Abend durchwandelt sie die unterirdischen Gemächer der Burg, wobei sie mit den vielen Schlüsseln, die sie zur Verwahrung ihrer Schätze in den vielen Räumlichkeiten bedarf, ein entsetzliches Gerassel macht, das Jedem, der des Nachts an dieser unheimlichen Stelle vorübergeht, Schauder und Grausen einflösst. Dann um Mitternacht verlässt die »Schlüsselfrau« ihre Wohnung und begibt sich in die nahegelegenen Baumgärten. Dort aber lässt sie durch die feierliche Stille der Nacht die wunderschönste Stimme im Gesange erschallen, der Jeden, im Gegensatz zum Obengesagten, mit einem gewissen Zauber festbannt und ihn nicht von der Stelle lässt, bis der Morgen graut und die nächtliche Sängerin wieder in ihre unterirdischen Gemächer sich zurückbegibt.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.