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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der letzte Zwingherr von Ruchenberg

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Der Zwingherr von Ruchenberg schickte eines Tages einen seiner Knechte nach dem Dorfe Trimons mit dem Auftrage, ein Paar Ochsen von dem auf Gadruffi wohnenden Bauer zu fordern. Dieser fasste sich aber kurz und gab dem Knechte zur Antwort: »Wenn der Burgherr etwas will, so soll er selber kommen.« Der Knecht ging nach der Burg und überbrachte dem Herrn die Worte des Bauers. Über diese Nachricht empört, brach der Tyrann in Zorn und drohende Worte aus. Er begab sich nun selbst auf den Weg, um das Verlangte zu erhalten.

An diesem Tage hatte der Bauer gerade die Drescher. Er freute sich an dem reichlichen Korn. Wie nun der Burgvogt kam und die Ochsen verlangte, zeigte sich der Bauer freundlich gegen ihn, und sie sprachen unter Anderm auch von dem bereits verflossenen segensreichen Jahre und der Fülle und Schönheit des vor ihnen auf der Tenne ausgedroschen liegenden Korns.

Den Herrn übernahm bei dem Anblicke des schönen Getreides die Habsucht und der Neid von Neuem, und gleissnerisch lobend und heuchelnd untersuchte er die schöne Frucht. Diesen Augenblick benützte der Bauer, »lupfte« den Flegel vom Nagel und erschlug damit den das Korn untersuchenden Burgherrn.

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.