Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Gestrafte Spottsucht

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Luzeiner-»Knaben« (Jünglinge) und Mädchen machten an einem schönen mondhellen Winterabende eine Schlittenfahrt. Da sagte einer der Knaben: »In Gottes Namen wollen wir jetzt fahren.« Wegen des frommen Ausspruches wurde er aber von der ganzen Gesellschaft, und noch am meisten von seiner Geliebten, einem leichtsinnigen Mädchen, verspottet.

An einem steilen Abhange verunglückten sämtliche Schlittenfahrer, - einzig der fromme Jüngling blieb gerettet, dadurch, dass sein Schlitten aus dem Geleise kam, wo die Andern gefahren waren, und er in den tiefern Schnee geriet, gerade an der Stelle, an welcher die Andern Alle über den Abhang hinunterfielen.

Er wollte noch seine Geliebte, die »einen Schlitten vor ihm« war, festhalten, konnte sie aber nur bei den Zöpfen fassen, und an sich ziehen. - Die Zöpfe blieben ihm in der Hand, das Mädchen selber aber stürzte in die Tiefe, den Andern nach.

Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.