Fänggen-Mannli's Kunst
In alten Zeiten, als man noch nicht so witzig war, wie heutzutage, bohrte man die Holz-Teuchel nur von einer Seite, und so wurden Diese natürlich nur so lang, als der Bohrer war.
Nun kamen denn manchmal in den Wäldern wilde Mannli zu den Arbeitern, und lachten und kicherten in ihre Fäustchen, wenn sie bemerkten, dass Diese die Teuchel nur so lang herzustellen verstanden. Wie dies besser zu machen, verschwiegen die Mannli beharrlich, wie oft die Arbeiter auch darum sie befragten.
Da verfielen die Holzhauer und Teuchelbohrer auf eine List:
»Ja, jetzt weiss ich denn auch, wie man die Teuchel länger bohren kann, Einer von Euch hat es meinem Vetter verraten, und der hat es auch mich gelehrt, heute sollst Du mich nicht mehr auslachen,« sagte ein Arbeiter im Furner-Walde eines Morgens zu einem Wild-Mannli, das des Weges kam.
»Ja, gelt, Du kehrst das Holz um, und bohrst auch von der andern Seite,« lachte gutmütig der kleine Wilde.
Nun hatte der Arbeiter »den Pfiff für sich« (das Geheimnis erraten); und seitdem das Wild-Mannli selber geplaudert und seine Kunst verraten hatte, werden die Teuchel doppelt so lang, als der Bohrer lang ist.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.