Die Geister-Sau
Die Gegend, wo heute (1878) die Mühle und die Säge in Räzüns stehen, heisst Giu Morè (beim Gottesacker drunten). Dort begrub man vor Zeiten die an der Pest Verstorbenen.
Und eben im Giu More sieht man dann und wann eine riesige Sau mit fünf Jungen, und zwar zwischen Nacht und Tages-Anbruch. Diese gespenstigen Tiere haben feurige, furchtbar grosse Augen, die Sau so gross wie Wagenräder, die Jungen aber nur wie Pflugsräder. Nicht jedermann kann sie sehen, sondern nur solche, die zu gewissen Stunden das Licht der Welt erblickt haben, wie z.B. die Rosa Maron, die einmal vor Tagesanbruch dorthin sich begeben hatte, um beim Morgengrauen die, über Nacht gefallenen Birnen aufzulesen. - Sie sagte, lange hätten die bösen Tiere sie herumgejagt, und sie habe immer in einem gewissen Kreise herumlaufen müssen, bis der Messmer in St. Paul den Tag angeläutet habe.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.