Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Plattenwibli

Land: Schweiz
Kanton: St. Gallen
Kategorie: Sage

Der Seveler Zimmermann S. G. ging einst nach Oberschan "zur Spinni". Als er früh morgens durchs Seveler Holz heimkehrte - es war noch nicht Tag - sah er im Buchenwalde, nahe am Wege, ein Weibchen und fragte verwundert, was es so früh da mache. Sie antwortete, aber ohne sich umzukehren, sie sammle Laub für die Schweine. Jetzt erst gewahrte er, daß sie an einem Fusse einen roten, am andern einen schwarzen Strumpf trug. Es war das bekannte "Plattenwibli", das bald darauf starb. Als man mit dem Sarge vom Hause wegzog, fragte ein Mädchen seine ins Haus gekommene Mutter, wen man begrabe und sagte, als diese geantwortet: "Nein, das Plattenwibli sitzt ja in der Küche auf der Herdplatte. Schau nur!" Die Mutter hiess das Kind schweigen und folgte dem Leichenzuge. Im Hause aber "geistete" es von da an.
Dr. Henne-Am Rhyn, Deutsche Volkssage.
 

Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 139, S. 66f

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.