Graf Rudolf und der Narr
Graf Rudolf und der Narr
Zur Zeit als Rudolf von Habsburg Hauptmann der Zürcher im Kriege gegen Lütold von Regensberg war, wollte er einmal von der Kyburg nach Zürich reiten. Aber der Regensberger hatte das erfahren, rüstete sich, ihn zu fangen und redete zu seinen Dienern: „Wir wollen des Habsburgers lange Nase so zerschlagen, dass er uns fürderhin nichts mehr zuleide tut!“ Diese Rede wurde sooft herumgeboten, dass sie der Narr auch hörte. Er lief sofort auf die Kyburg, klopfte an, fragte nach dem Herrn, und der hiess ihn eintreten. Da schaute sich der Narr den Grafen lange und gründlich an und sprach: „Wahrlich, deine Nase ist nicht so lang, wie man redet, und mein Herr brauchte kaum halb so viele Leute, wie er aufgeboten, um sie dir einzuschlagen. Ich allein wollte sie dir zerschmettern, dass man sie nicht mehr sähe!“ Da merkte Rudolf was Lands, zog anderntags gegen den Regensberger, aber dieser stellte sich ihm nicht.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee
Nach Brennwald I, 131, ins Neuhochdeutsche übertragen, sonst unverändert.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.