Der Fluchstein ob Herrliberg
Der Fluchstein ob Herrliberg
Am Zürichsee wohnte ein Zauberer namens Hartmut. Der hatte eine schöne Tochter, und diese war in einen hübschen Burschen verliebt. Der Vater sah diese Verbindung gar nicht gerne und verbot der Tochter bei Todesstrafe, weiter mit ihrem Geliebten zusammenzukommen. Doch die Liebe war mächtiger als das väterliche Gebot. Der Alte, der dies ahnte, schaute in seinen Zauberspiegel, der ihm die beiden Verliebten draussen im Rosenhag zeigte, just als sie einander von der Liebe nicht genug mitteilen konnten.
Im Zorn rief der Zauberer seine ganze Geisterschar zusammen und hiess sie die beiden verderben. Ein Wetter ging nieder, die Erde öffnete sich und verschlang das Liebespaar. Auf dieser Stelle türmten die Dämonen einen gewaltigen Stein auf, der von den Leuten der Fluchstein genannt wird.
In stillen Nächten steigen die beiden Liebenden aus der Erde herauf, umwandeln umschlungen den Stein und seufzen leise Klagen von Sünde und Reue in die Nacht hinaus. Doch wenn die Morgenlüfte von den Alpen herniederwehen, verstummen der Geister Klage, und der Stein steht wieder einsam.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee
Aus P. Corrodi, JZ 1951/52, S. 327, in Prosa umgesetzt.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.