Der unerschrockene Bub
Ein Senn schickte seinen Buben nach der Heimfahrt auf die Alp, um den vergessenen Melkstuhl zu holen. Weil es schon spät war, musste der Knabe in der verlassenen Alphütte übernachten. Er legte sich auf die "Tril" und schlief bald ein. In der Nacht erwachte er und sah, dass in der Alphütte alles in Tätigkeit war. Volle "Milchmuttlen" wurden aus der Hinterhütte herausgetragen; der Senn nahm den Nidel ab; die Milch wurde in das grosse Kessi geschüttet und gekäset; zwei Zusennen trieben den grossen "Ankenkübel" u. s. w. Als alles fertig war, wurde das Essen bereitet; sie setzten sich zu Tisch, und der Senn rief, der auf der "Tril" solle mithalten. Der Bub stand auf und bemerkte, dass einer auf seinem Melkstuhl sass. Er riss ihm diesen ohne weiteres weg. Damit war der Zauber gebrochen. Sie waren durch seinen Mut erlöst.
J. B. Stoop
Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 303, S. 168f
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.