Der heimgekehrte Geist
Der heimgekehrte Geist
Pünter-Ida sass eines Sommerabends mit ihrer Mutter im Garten vor dem Hause, Pünt genannt. Da sahen sie in der Dämmerung einen schwarzgekleideten Mann die Strasse gegen den Hellberg hinaufschreiten, hart am Garten vorbei. Merkwürdigerweise hörte man jedoch keine Schritte. Die Mutter bemerkte, es dünke sie sonderbar, dass dieser Mann völlig weiss angezogen sei. Pünter-Ida widersprach ihr erstaunt, denn in ihren Augen erschien der geheimnisvolle Unbekannte schwarz. Sie stritten noch eine Weile; die Mutter beteuerte aber, der Mann sei weiss gekleidet gewesen. - Am andern Tag kam die Nachricht, dass ein Hellberger im Spital in Zürich nach langem Todeskampf gestorben sei und dass er in seinen letzen Stunden immer wieder heimverlangte. Der Fremde war niemand anderer als sein Geist gewesen, und die Mutter, als ein Fronfastenkind, hatte ihn als solchen erkannt!
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland
Aus Jakob Zollingers „Herschmettlerchronik“. Interessant ist, dass derselbe Geist von verschiedeneren Personen, je nach Eignung zur Geistersichtigkeit, gleichzeitig weiss und schwarz gesehen wird.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.