Der Schimmelreiter zu Kappel
Der Schimmelreiter zu Kappel
Wer früher nachts von Hausen nach Kappel wanderte, sah dort im Mondschein einen Mann über die Allmend reiten. Bleich, hohläugig, schwarz gekleidet, lenkte er seinen Schimmel durch das Moor bis zum dunklen Gehölz. Dort erhob er seine Rechte wie zum Schwur empor zum Himmel; man vernahm Hohngelächter, und der Mann samt Ross waren verschwunden.
Die Sache verhielt sich so: Um die Waldung stritten einst das Kloster Kappel und die Gemeinde Hausen. Die Richter forderten Eide. Am Gerichtstag, zu dem sich das Volk drängte, kam der Amtsmann übermütig hoch zu Ross angesprengt und schwur: „Dieser Grund zu meinen Füssen ist, bei dem Schöpfer und dem Richter über meinem Haupte, des Abtes Eigen!“ Er hatte nämlich in seinen Schuhen Erde vom Klostergute und einen Richtkamm (= Richter) und einen Löffel (= Schöpfer) schlau unter seinem Hute verborgen. Um diesen Meineid zu sühnen, musste er lange Zeit geisten. Denn die Wahrheit lässt sich nicht höhnen.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Knonauer Amt
Gchr. Mettmenstetten 1905; darnach Stauber, S. 50, mit Hinweis auf ähnliche Sagen in Brütten und Schlieren. Dasselbe Thema in NZZ vom 11.4. 1868, S. 452, in Gedichtform, abgedr. aus dem Anzeiger von Affoltern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.