Das starke Berner Mandli
In Wassen und Meien vagierte oft ein kleines, unscheinbares Berner Mandli herum. Da sah es einst in einem Metzgerladen zu Wassen einen neunzentnerigen Ochsen hangen. »Was hend-er etz da firnes Tiärli üffg'hänkt?« fragte er mit Lachen. »Sitt wenn hesch etz äso schlächti Äugä, dass nid ämal meh än Ox g'sehsch?« entgegnete der Metzger. »Än Ox?« verwunderte sich der Berner; »das soll än Ox sy? ä pah, äs Oxli, miänd iähr sägä!« »Jä nu,« sagte der Metzger, »wennd dü das Oxli uf d'Gass üsä träisch, so channsch-es ha.« Da nahm der Berner das Tier auf den Rücken und trug es zur Türe hinaus. Jetzt gereute den Metzger sein Wort, er lief dem Mandli nach und rief ihm, er wolle den Ochsen gerne bezahlen, wenn er ihn nur nicht forttrage. Da war der starke Berner zufrieden, trug seine Last wieder in den Laden zurück und strich lächelnd das schöne Geld ein.
Als er einmal in Meien mit seiner Kraft prahlte, luden sie ihm einen Schuhmacherklopfstein auf eine Bank, und er hob die Bank samt dem Stein mit seinen Zähnen mannshoch empor.
Jos. M. Tresch
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.