Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Seelisberger Seeli

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

a) Wo jetzt das Seeli ist, da ist vor Zeiten Land gewesen. Da haben zwei böse Mannen mit einander Zank bekommen. Sie sind hintereinander geraten und haben einander geprügelt. Da sind sie plötzlich in ein Loch hinunter gefallen, und das hat sich gleitig mit Wasser gefüllt. Die zwei Mannen haben sich am Land mit beiden Händen festgehalten, aber der Boden unter ihren Füssen ist immer tiefer gesunken, und das Wasser hat immer weiter um sich gefressen. So ist eben das Seeli entstanden, und die zwei Zänker sind darin ersoffen. »So hennt's alligs d'Schüelchind verzellt.«

Alois Truttmann, 16 J. alt

b) Wo jetzt der See am Bauen seinen Spiegel malerisch mit einer Alpenlandschaft umrahmt, war einst eine gesegnete Flur, das »Blumenfeld«. Wegen einer Übeltat ist sie versunken und der See entstanden, welcher dann die Behausung eines Ungeheuers ward.

c) Osenbrüggen (Die Urschweiz S. 71) berichtet: »Ein Bube, der an mich herankam, erzählte mir, das Seeli sei nicht immer dagewesen und habe denn der Berg auch nicht Seelisberg geheissen, sondern Frohberg.«

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.