Der Dank des Bettlers
Kam da im Frühling des Jahres 1887 ein unbekannter Bettler nach Spiringen und klopfte in einem Bauernhaus zu Hellprächtig an und bat um Speise und Trank. Aber kaum hatten ihn die harten Leute angeschaut, schletzten sie unter Schimpfen und Schelten über das unverschämte Bettlerpack vor seiner Nase die Türe zu. Er schritt hinüber zum andern Hause und brachte auch hier in aller Bescheidenheit seine Bitte vor, aber sie schnauzten ihn nur an und wiesen ihm die Türe. In einem dritten Haus, im Isenprächtig, wo arme Leute daheim waren, gaben sie ihm ein ehrliches Almosen. Da hielt ihnen der Bettler eine Ansprache und weissagte: »Es wird bald ein grosses Unglück geschehen, aber dieses Haus wird verschont bleiben.« Und so kam es. Am Pfingstmontag des genannten Jahres verschüttete der Bergsturz die zwei Häuser und die Wiesen zu Hellprächtig und tötete sieben Personen. Das benachbarte Haus, wo der Bettler Barmherzigkeit erfahren, blieb auf wunderbare Weise verschont. Später fiel auch es dem Schächenbach zum Opfer. »Das hani einisch z'Birglä-n-obä-n-äs alts Müetterli g'heert verzellä.«
Ferdinand Dubacher, 30 Jahre
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.