Hexenwerk beim Ankensieden
Zu Häggrigen war die Mutter damit beschäftigt, ein Chessi voll Anken einzusieden. Schon begann er zu zerfliessen, als ein fremdes, altes Müetterli mit aufgelösten, über den Kopf herabhangenden Haaren in die Küche kam und etwas Anken bettelte. »Hesch de-n-äs Gschirrli?« fragte die Mutter, was die Fremde verneinte. »Sä cha d'r ich kei Ankä gä,« hiess es jetzt, »miär hennt zwenig Gschirr.« Da stellte sich die Unbekannte ein wenig auf die Seite und verliess nach einiger Zeit das Haus durch die Hintertüre. Jetzt fing es an, im Anken – nicht etwa im Feuer! – zu chlepfen, zu braschlen, zu krachen und zu pfeifen auf eine übernatürliche Art und Weise. Der Anken hob sich plötzlich im Chessi, ging über und tat furchtbar, selbst dann noch, als das Feuer schon abgestellt war. Die Mutter schüttete davon in eine Mutte; er siedete und wallte immer noch im Ohessi und in der Mutte. Erst, als sie Gesegnetes hineintat, hörte der Spuk auf. Mehr als 20 Pfund Anken gingen dasselbe Mal verloren. Nachher vernahm man, es sei eine alte Hexe gewesen. Der Landjäger packte sie. (19. Jahrh.)
Frau Baumann-Dubacher, 85 J. alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.