Melkzauber
In eine Wirtschaft zu Altdorf kamen Leute und bestellten Kaffee; die Milch müsse heillos rar sein, dass man nirgends keine bekomme, fügten sie erklärend bei. »Es gibt schon Milch, wartet ihr nur einen Augenblick!« tröstet die Wirtin mit dem Spitznamen »Geisshebamm«, nimmt einen »Waldhäntschä« (groben Handschuh der Waldarbeiter) und zieht und streicht am »Dymlig« (Däumling), wie wenn sie melken würde. Und es floss wirklich Milch heraus. »Aber ich dänkä-n-eppä-n-äs Pürli heig's scho g'spirrt!« – Wenn sie das Nachtessen bereitete und drüber brennen wollte, fuhr sie einfach gleitig nach Glarus und holte dort den Böllen aus irgend einem Garten. (19. Jahrhundert.)
Josef Maria Furrer, der letzte Bettelvogt, 84 J. alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.