Liebeszauber
Ein Bursche auf der Alp Hangbaum besuchte gar oft ein Mädchen auf Seelisberg. Es war ein weiter, mindestens sechsstündiger Weg, der viel Zeit in Anspruch nahm und den Burschen ermüdete. Die Alpknechte schimpften und machten ihm Vorwürfe. Er aber sagte, er sei ganz im Banne dieses Mädchens, das ihm nicht einmal besonders lieb sei. Jedesmal beim Abschiede klopfe es ihm auf die Schulter und sage zu ihm: »Komm bald wieder!« Da sagte ihm einer: »Das nächste Mal schlag dem Mädchen mit der Faust ins Gesicht, dass es blutet und das Blut auf den Erdboden tropft. Aber das Blut muss den Erdboden erreichen, das ist nötig.« Der Bursche befolgte den Rat. Als ihm das Mädchen beim Abschied wieder auf die Schulter klopfte, schlug ihm der Bursche mit der Faust auf Mund und Nase, dass das Blut auf die Erde rann. Von da an hatte er Ruhe.
Hans Aschwanden, 50 J. alt, Isental
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.