Wetterhexe in Schattdorf
In Schattdorf lebte eine Weibsperson, die der Hexerei verdächtig war. Einst an einem herrlichen Sommertage, da die Sonne am wolkenlosen Himmel strahlte, die Bauern am liegenden Heu arbeiteten, die Wäscherinnen ihre Lylachen trockneten, sprach zu ihr ein Mann, um sie zu probieren: »Lüegä mecht-i, wiä d'Lytt zwägzapplä tätet, wennd's chämt chu haglä.« »Das wil ich scho machä,« entwischte es der Hexe; und sie brachte ein kleines Häfelein, goss Wasser hinein und einige Böhndli und gab es dem Neugierigen mit den Worten: »Spritz äs par Trepfli i d'Luft und lüeg de!« Der Lahli jedoch schüttete das ganz Häfelein aus, und es entstand sogleich ein Schrecken erregendes Gewitter; nussgrosse Hagelsteine prasselten nieder und bedeckten hoch den Boden. Durch das Teiftal wälzte sich der Gangbach zugleich mit einer Rübi gegen Schattdorf. Da lief der Sigrist zur Kirche und läutete über Wetter. Augenblicklich gab es Ruhe, und die enttäuschte Hexe rief: »Vrenäli, hättisch dü nitt so g'schrüwä, so wär ganz Schatref underg'gangä!«
Rosina Lussmann, Maderanertal
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.