Verhängnisvolles Wettermachen
Den Geissbub von Spiringen besuchte oft eine Hexe, wenn er auf den Höhen zwischen Sulz- und Brunnital seine Tiere hütete, und lehrte ihn Wetter machen. Während er einst allein war und sich an seiner Kunst amüsierte, zuerst die schwarzen Wolken, dann einen schönen feinen Regen, hierauf einen ganz kleinen Hagel hervorgezaubert hatte, kam es ihm aus Übermut und Gwunder in den Sinn, das ganze Häfelein mit allem Wasser und den sämtlichen weissen Bohnen darinnen auszuschütten. Aber jetzt entstand ein entsetzlicher Hagel; ein Erdschlipf fuhr mit dem Geissbub und den Geissen zur Tiefe gegen Sittlisalp hinunter, und nie mehr hat man weder vom Bub noch von den Tieren auch nur eine Spur entdeckt. Den Erdschlipf sieht man heute noch.
Karl Gisler, 75 J. alt, Unterschächen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.