Die Rache der Hexe
1. Eine Weibsperson in Zumdorf (»z'vorDorf«) stand im Verdacht, eine alte Hexe zu sein. Oft überschüttete sie nachts das Land mit einer Rufi1, und am folgenden Tage sah man sie dann die so verwüsteten Wiesen schönen und dabei weinen. Eines Tages ging ein Reälper vorbei, während sie gerade schönete, und fragte sie, was sie da tue, und warum sie weine. Und, als sie ihm erzählte, die Rufi habe die Wiese verschüttet, sagte er, sie sei doch gewiss selber Schuld, sie sei ja eine alte Hexe. Kaum war das Wort zum Munde hinaus, war der Reälper in einen Granitblock verwandelt. (Ein Erzähler sagte, es sei ihre eigene Wiese gewesen. – Es handelt sich wohl um die Schneidergret.)
Michael Simmen, 67 J. alt, Realp
2. Es war zu Pfingsten 1887, als eine Hexe von der »Spitzä« her Steine herabrieselte. Ein Schächentaler rief hinauf: »Ja, ja, rißlä dü nur!« Aber düe sygs chu! (Bergsturz von 1887.)
Josef Maria Arnold, Unterschächen
Fußnoten
1 Wo der Urner Ribi sagt, spricht der Ursner: Rufi.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.