Das verzauberte Messer
Wenn man ein Sackmesser zusammenklappt und auf einem Tisch oder sonstwo in kreiselnde Bewegung bringt, so verschwindet es alsbald. Im Ochsen zu Wassen haben sie einmal probiert, ob das wahr sei, und richtig, im Handumdrehen war das Messer verschwunden, man konnte nicht sagen wie. Nach längerer Zeit kam sein Besitzer in eine fremde Gegend, und, als er daselbst ein von mehreren Weibspersonen bewohntes Haus betrat, sah er es in der Wohnstube in der Oberdiele eingesteckt. Er nahm es herab, betrachtete und erkannte es für ganz sicher als das seine, denn es war mit seinem Namen und Geschlecht gezeichnet. Woher sie das Messer haben, fragte er, und eine von den drei Weibspersonen sagte, sie habe es in ihrer Matte im Heu gefunden. »Das Mässer isch mys,« erklärte der Mann, steckte es in seinen Hosensack und fragte spöttisch, ob er Finderlohn zahlen müsse. Solchen verlangten sie aber nicht.
Fr. Baumann-Dubacher, 85 J
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.