Pestsagen aus Rafz
Pestsagen aus Rafz
Auch diese Gemeinde wurde früher von mehreren Festzügen heimgesucht. Einmal starb fast die ganze Bevölkerung aus. An den vielen Beerdigungen fiel es schliesslich auf, dass dabei stets eine alte Frau mitging, die einen grossen Schlüssel in der Hand hielt, und überall habe es geheissen, solange sie diesen hinter einer Leiche hertrage, verschwinde die Seuche nicht. Endich sei auch sie gestorben, und dann habe sich die Pest in Rafz wirklich nicht mehr weiter verbreitet. Aber noch lange drohte man unfolgsamen Kindern mit den Worten: „Seid artig, oder die Schlüsselfrau kommt!“
Zu Zeiten der Pest, wollen die Alten wissen, sei es Brauch oder sogar Vorschrift gewesen, dass man des Nachts vor alle Häuser eine Gelte voll Wasser hingestellt und diese am Morgen wieder hereingenommen habe. Wo eine Gelte am Morgen nicht hereingenommen war, sei das das Zeichen gewesen, dass hier jemand an der Pest gestorben sei.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland
Nach Gchr. Rafz 1902; daranch Stauber, S. 66 und Hedinger, S. 19, beide ohne den 2. Abschnitt.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.