Das erboste Gespenst
Zu Bürglen im untern Spiss wohnte einst eine stolze, reiche Herrenfrau von Altdorf. Sie liess bis zum Hause hinauf eine schöne, breite Strasse anlegen und konnte mit Ross und Chaise hinauffahren. Die Spuren der Strasse sieht man noch, ebenso die Gänge und Terrassen des Weinberges, den sie da pflanzte. (Bis da auch historisch richtig.)
Von dem Hause führte ein Tunnel bis in's Nussbäumli, eine einsame Waldwiese in Altdorf.
Im Hause ist es heute noch nicht geheuer. An den »Fraufastentagen« und um Allerseelen spürt man's immer noch. Einst, als das Haus verlassen und vernachlässigt war, spielten Nachbarkinder in seinen Räumen »Blinzis«, d.h. Verstecken und schlugen dabei, wie es das Spiel mit sich bringt, an die in den Wänden eingebauten Schränke, indem sie dazu riefen: »A'gschlagä fir mich!« »Aber woll, das isch-nä chu und isch mit-nä g'fahrä! Die hend am andärä Tag scheen g'schwullä Grindä-n-ummätreit!« Mein Erzähler hat diese Kinder alle noch gekannt.
Mitgeteilt von Dr. E. Wymann
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.