Tal Josaphat
Es war um das Jahr 1917, als zu Wassen ein Mann nahe an dem Nachbarhause, das einer alten Witwe gehörte, ein Waschhaus und ein Sauställchen baute. Doch kam er ihr nicht vors Licht; er deckte das kleine Gebäude mit einem flachen Dach. Dennoch prozessierte die Witwe mit ihm, verlor es aber vor allen Instanzen. Da meinte sie: »Hesch-es jetz gwunnä, wiä d'hesch wellä, das gilt alls nytt; miär machet das im Tall Josaphat midänand üss.« Wenige Tage später starb diese Frau an Altersschwäche; der Bedrohte, der ihrem Ausspruche Glauben geschenkt hatte, wurde bald hernach von der Grippe überfallen und folgte genau am achten Tage der Witwe im Tode nach.
Fr. Mattli-Gerig
Anmerkung: Noch zu meiner Schulzeit (1877–1884) galt unter dem Volk das Tal Josaphat als Schauplatz des allgemeinen Weltgerichts; es war eine Art kirchlich geduldeter frommer Meinung.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.