Die Mahnung des Schwertes
Von Unterschächen ging ein Mann aus dem Geschlechte Kempf in den Krieg und wurde ein ausgezeichneter Fechtmeister. Einst, da ihnen nach einer gelieferten Schlacht zu plündern erlaubt war, trafen er und ein Kamerad in einem Hause, das die flüchtigen Bewohner verlassen hatten, ein Kind in der Wiege, und Kempf kehrte diese mitsamt dem Kinde um und hieb sie mit seinem Schwerte entzwei. Als er wieder daheim und alt und am Sterben war, hatte er einen furchtbar schweren Tod. Auch hielt sich sein Säbel, den er an der Zimmerwand hängen hatte, nicht ruhig, pendelte hin und her und heig eisster 'klotteret. Dem Geistlichen, der bei ihm war, erzählte und bekannte er seine Untat und sagte, sie sei die Ursache, dass der Säbel so tue.
Auch die Brüder Brand im »Tal« zu Spiringen waren ausgezeichnete Fechtmeister; Äpfel, Rüben usw. konnte man ihnen nach Belieben zuwerfen, sie hieben alle in der Mitte durch.
Theresia Gisler, 73 Jahre alt, Spiringen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.