Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der grosse Alpkessel

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Wo weiss ich nicht, aber basta, in einer Alp hatten sie wiätig äss grosses Wellchessi. An einem Seil zog es der Besitzer jeweilen im Herbst in den Dachraum des Käsgadens hinauf und liess es im Lanxi wieder herunter. Einmal aber, bei der Alpauffahrt, war es verschwunden. Sofort lief der Besitzer zum Pfarrer, dass er es ihm zurücktreibe. Der aber sagte zuerst, das tue er nicht. Doch der Bauer bestand darauf: »Ich weis-es, iähr chennet's und iähr miänt's z'ruggtrybä; das Chessi mües ich ha.« Darauf ging der Pfarrer ins Nebenstübchen; als er zurückkam, sagte er, er werde es zurücktreiben, aber an dem und dem Tage müsse er, der Besitzer, im Käsgaden bereit sein und müsse den Kessel dem Dieb abnehmen. Gut, er hielt sich bereit; der Dieb, den er wohl erkannte, kam keuchend und gruchsend das Bort hinan und kletterte mitsamt dem gestohlenen Gegenstand unter Ach und Krach durch das Käsgadengwätti hinauf. Der Bauer kam ihm zu Hilfe und nahm ihm die Last ab, bevor er droben war, sonst hätte es der Dieb wohl verspielen müssen.

Fr. Jauch-Bissig, 62 Jahre alt, Isental

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.