Gold am Bristenstock
Aus Offenbarung eines fahrenden Schülers wussten zwei Männer aus der Gegend, dass an einer bestimmten, nur ihnen bekannten Stelle des Bristenstockes ein Klumpen Gold »wiän-ni grossi Hideltannä« zu heben wäre, und sie suchten also diesen Punkt auf und fanden richtig den Schatz. Die Freude darüber machte sie jedoch zu Narren, so dass sie, bevor sie den Fund an sich zogen, nach Amsteg hinunter gingen und dort in einem Wirtshause ein köstliches Mittagessen zu sich nahmen, und zwar bei geschlossenen Fensterbalken, weil sie nun glaubten, des Herrgotts Sonnenlicht entbehren zu können. Als sie dann die Arbeit in Angriff nahmen, fiel bald die Höhle über ihnen zusammen und erdrückte sie. Später suchte man nach ihnen und fand ihre Leichen. Ihre Hüte und Werkzeuge glitzerten und waren mit weissglänzendem Silbererz überzogen. Aber der Goldklumpen kam nie zum Vorschein.
Theresia Gisler, 73 Jahre alt, Spiringen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.