Der Schinder, der umgehen musste
Der Schinder, der umgehen musste
Der alte G. zu GlattfeIden war ein arger Schinder und hatte manche unrechte Tat auf dem Gewissen. Im Tode fand er die Ruhe nicht. Zu Mitternacht hörten die Hausbewohner auf dem Estrich ein Geräusch, und mit schaurigem Gerassel wie mit Ketten kam der Ruhestörer die Treppe herunter. Einigen Gesellen, die in einem Zimmer des Hauses schliefen, wurde um diese Zeit die Decke vom Bett gerissen. Das Licht, das sie anzündeten, wurde von unsichtbarer Hand sogleich ausgelöscht. In der angebauten Scheune hatte der Senn seinen Esel einquartiert. Auch der arme Graue hatte unter dem Spuk zu leiden. Man hörte ihn zur Geisterstunde stampfen und ausschlagen. Am Morgen war dem vor Angst schwitzenden Tier die Mähne geflochten. Schliesslich vermochte man es mit aller Gewalt nicht mehr in die Scheune zu bringen. Der spätere Besitzer G. wollte dem unheimlichen Geisterspuk ein Ende machen. Er liess einen Kapuziner kommen, der den Geist in ein Fläschchen bannte, das eingemauert wurde. Da kehrte wieder Ruhe ein.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland
Gchr. Glattfeilen 1918, S. 81.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.