Vom Totenweg
Vom Totenweg
So heisst ein Strässchen zwischen Steinmaur und Schöfflisdorf. Warum wohl? Ja, darüber wurden schon viele Vermutungen geäussert. Die einen sagten, hier seien in der Frühzeit die Toten westwärts zum gemeinsamen Friedhof in Niederweningen getragen worden. Andere dachten eher an die umgekehrte Route, d.h. an einen Transport nach Steinmaur. Eine weitere Deutung ergab sich aus der Tatsache, dass man auf diesem Wege die zum Tod verurteilten Verbrecher der Landvogtei Regensberg zur Richtstätte an der Egg führte, wo sich heute noch der “Galgenacker“ befindet. Die beste Erklärung hängt wohl mit einer Sage zusammen, nach der hier einst ganze Wagen voll Toter von Steinmaur aus nach einem nahen Massengrab transportiert worden seien. Dabei sei es vorgekommen, dass einzelne Leichen in der Dämmerung unbemerkt vom Wagen gefallen und erst nachträglich wieder aufgelesen worden seien. Offenbar hat man hier noch Erinnerungen an den „grossen Sterbet“ des Jahres 1611 vor sich. Damals raffte die Pest im ganzen Zürichbiet über 50 000 Menschen dahin und wütete auch im Unterland grauenhaft, so dass etliche Dörfer fast die Hälfte ihrer Bewohner verloren.
Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland
Wörtlich aus Hedinger S. 25. Seine Quelle: Persönliche Mitteilung.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.