Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das dankbare Patenkind

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Ratsherr Karl Infangers Grosseltern im untern Baumgarten zu Bauen liessen einst ein fremdes Ehepaar, das kein Obdach gefunden, im Gaden übernachten. Da genas die fremde Frau eines Kindes, und der Gatte bat das Ehepaar Infanger, Patenstelle bei demselben zu übernehmen. Sie taten es und liessen auch die Fremden im Gaden wohnen, solange es ihnen beliebte. Endlich zogen diese fort. Als einige Jahre später der Ratsherr eines Morgens durch den Baumgarten hinaufging gegen das Dörflein, um den Gottesdienst zu besuchen, da kam bei der Stechpalme ein liebliches, schneeweisses Kind ihm entgegen, gab ihm freundlich das Händchen, dankte ihm für die Taufe und entschwand wieder. Es war jenes Patenkind. »Gottlob!« dachte er bei sich, »dass du diesen Dienst geleistet; wie bist du jetzt froh!« Einige Tage später vernahm er, dass das Kind an jenem Morgen gestorben sei. Die Gatten sagten zueinander: »Nie würden wir es abschlagen, einem armen Kinde zur Taufe zu helfen.«

Marie Ziegler

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.