Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Alpgespenst und Oberhaupt

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Auf Seelegg im Maderanertal standen zwei Hütten nahe beieinander, die eine etwas höher als die andere. Die obere war zerfallen und nicht mehr im Gebrauch; niemand wagte es, sie zu betreten, denn darinnen hauste »Einer«, der sich von Zeit zu Zeit auf dem Jützstein in der Nähe der Hütten sehen liess. Eines Tages kam es dem baumstarken Küher und dem Tinner in den Sinn, das Gespenst zu reizen; sie stellten sich vor die Hütte und riefen: »Wennd eppis mit d'r isch, sä chumm, m'r wennd's scho mit d'r üssmachä!« In der Hütte regte sich nichts. Sie wiederholten die Herausforderung; auch jetzt blieb es still. Das gab ihnen Mut, und sie schrien noch lauter und lachten höhnisch. Jetzt aber nach der dritten Herausforderung, da ging plötzlich die Hüttentüre auf, und das Gespenst sprang heraus, ergriff zwei »hämpflige« Steine und zerrieb sie zu Staub und Asche, feiner als Mehl, indem es dabei den Frechlingen zuschrie: »Wenn ds Oberhäupt (d.h. der Senn) däby wär, sä tät-ech all dry zerrybä wië dië Stei.«

Frau Tresch, Lungenstutz, u.a.

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.