Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Gespenstiger Steinriesel

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

 Ich war etwa achtjährig und holte eines Abends zu Bürglen Seidenzapfen für meine zwei Seide webenden Schwestern. Wie ich auf dem Heimwege bei Einbruch der Dunkelheit dem Lehnstutz herwärts Trudelingen mich näherte, hörte ich auf einmal auf einer Holz beige am Felsen neben der Strasse Steinchen auf- und abspringen; es tönte exakt, wie wenn jemand von Zeit zu Zeit auf dem Holzstoss eine Hand voll Kieselsteinchen oder Sand würfe und diese dann nach allen Seiten auseinanderspringen und auf dem Holz und der Strasse anprallen würden. Mir kam das merkwürdig vor, und ich gab genau Acht, ob nicht das eine oder andere der Steinchen zu sehen wäre; aber ich erspähte keines. Furchtlos und tapfer ging ich meines Weges weiter. Da hörte ich hart hinter mir jemand folgen. Jeder einzelne Schritt war deutlich hörbar, aber wie oft und scharf ich zurückschauen mochte, zu sehen war nichts. Das Unsichtbare folgte mir bis auf die Höhe des Lehnstutzes, ohne dass etwas weiteres geschehen oder später erfolgt wäre.

Zacharias Imholz, 45 J. alt, Wytterschwanden

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.