Pfingstarbeit
Es war Pfingsten, als auf dem Meere ein plötzlicher, heftiger Sturm entstand und das Schiff jeden Augenblick zu verschlingen drohte. Alle zitterten, weinten und schrien durcheinander, denn jedermann meinte, sein Leben sei verloren. Da fragte ein Kapuziner auf dem Schiffe, ob jemand heute gearbeitet habe. Es stellte sich ein Fraueli und bekannte, äs häig äs Häftli an-nes Gstältli (Mieder) b'biëtzt. – »Werfet das Gstältli sofort in das Meer!« befahl der Pater. Das Fraueli gehorchte. Sofort fuhr der Blitz in das fluchbeladene Kleidungsstück und bohrte es in den tiefsten Grund des Meeres, der Sturm hingegen legte sich.
Diese Geschichte hat meinem Gewährsmann jemand erzählt, der sich an jenem Pfingsttage auf dem Schiffe befand und den Sturm miterlebte. Sie wird auch vom Muttergottestag zu Mitte August erzählt.
(Übrigens scheint die Sage sehr verbreitet zu sein, z.B. im Kt. Luzern, im Grossherzogtum Baden.)
Jos. Ant. Imhof; Frau Wipfli-Herger u.a.
Die Pfingstfeiertage seien die höchsten Feiertage des ganzen Jahres, behaupten dann und wann alte Leute.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.